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Allende, Lhotzky, von Kessel und Paula

Lake Side Laze, Literatur 24. Februar 2016

Unser Wochenende mit Paula war vor allem intensiv. Schon zur Probe am Nachmittag floßen Tränen – so viel der Intimität dürfen wir vielleicht verraten. Am Abend konnte man im vollen Seehof-Salon die Stecknadel, bzw. den Stoffvorhang der Leica fallen hören, weshalb wir während der Lesung weniger Bilder gemacht haben, als sie verdient gehabt hätte.

So schwer wie Allendes „Geisterhaus“ als politisches Narrativ des 20.Jahrhunderts wiegt, so universell ist die persönliche Geschichte vom langen Sterbeweg ihrer Tochter Paula, die an der Stoffwechselstörung Porphyrie erkrankte und nicht mehr aus dem Koma erwachte. Es wäre aber zu einfach zu behaupten, dass an diesem Literaturwochenende vor allem die Mütter und Väter auf der Bühne und im Publikum ergriffen gewesen wären. Jeder von uns konnte beim anschließenden Abendessen von  – manchmal vielleicht vergessenen oder verdrängten – Verlusten erzählen, die durch die Lesung an die Oberfläche gespült wurden.
Isabel Lhotzkys Idee, die an sich schon fesselnd persönliche Lesestimme Sophie von Kessels musikalisch aufzuladen, war ein wirklich großartiger Einfall. Lhotzky, von Kessel und Bratschist David Ott von Bayerischen Staatsorchester an der Bratsche, das war vielleicht fast schon ein bisschen überwältigend.
Wenn nach den emotional überdichten Allende-Sätzen der Tango einsetzte, dann erschien uns allen jedenfalls die Luft im Raum plötzlich trocken in den Augen.

„All das habe ich verloren, und meine Tochter ging von mir, aber in Wirklichkeit ist mir das Wesentliche geblieben: die Liebe. In letzter Instanz ist das einzige, was ich habe, die Liebe, die ich ihr gebe.“

Wir freuen uns, wenn auch der Seehof als Rückzugsort einen Teil zur Wirkung des Abends beigetragen konnte. Das Menu im r120 hat das jedenfalls getan. Unser Team hat sich dabei an Allendes „Aphrodite: Eine Feier der Sinne“ orientiert (und für Allende-Kenner sei noch angemerkt: Nein, es gab nicht 5-Gänge Milchreis).

 

Wer dieses Mal nicht dabei sein konnte, als Sophie von Kessel „Gracias á la vida“ sang, dem gilt unser Beileid. Wir können aber einen Kompensationsangebot machen: Der Seehof bleibt dieses Jahr an Ostern geöffnet.

Zur Nachlese sei hier auch nochmal die Stückauswahl hinterlegt:
Ernesto Nazareth (1863-1934): Odeon (Tango Brasileiro)
Astor Piazzolla (1921-1992):  Oblivion (arr.  Bernd Lhotzky)
Astor Piazzolla: Che tango che
Astor Piazzolla: Balada para un loco (arr. von Oliver Heise)
Astor Piazzolla: La fortezza
Heitor Villa-Lobos (1887-1959):  Preludio (aus Bachianas Brasileira)
Astor Piazzolla: Los pajeros perdidos (arr. O. Heise)
Astor Piazzolla: Hay una nina de alba en el alba (arr.  O. Heise)
Astor Piazzolla: Finale (arr. von O. Heise)
Astor Piazzolla: Ave Maria
Violetta Parra (1917-1967):  Gracias á la vida

Isabel Allende gründete im Jahre 1996 eine Stiftung zum Andenken an ihre verstorbene Tochter Paula. Die Isabel Allende Foundation soll das Andenken von Paula bewahren, die bis zum Tod als Psychologin und Sozialarbeiterin in den ärmsten Gemeinden in Venezuela und Spanien arbeitete. Informationen zur Stiftung: www.isabelallendefoundation.org

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