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Das GUTE LEBEN 2017

Essen & Trinken, Lake Side Laze 5. Mai 2017

Jemandem, der nicht dabei war, vom guten Leben zu erzählen, ergibt wenig Sinn. Einerseits kann man es nicht so leicht nacherzählen – es ist schließlich auch etwas sinnliches. Andererseits ist es privat und stellt sich für jeden anders dar – vor allem, wenn es um Beziehungen geht, wie in diesem Jahr. Wir versuchen es trotzdem, mit einigen Notizen über unsere jährlichen Frühjahrs-Gespräche der Sinnstiftung…

Das GUTE LEBEN beginnt 2017 mit Danielle Spera und Martin Engelberg. Die beiden beleuchten es aus der Sicht einer jüdischen Familie. Ist das Judentum zwar eine Religion mit besonders strengen Geboten, die im Kontrast dazu das Leben besonders kritisch hinterfragt? Martin Engelberg sieht es so. Die Shabbat-Gesetze seien zwar restriktiv, gleichzeitig wäre es aber auch eine besondere Freude sie auszutricksen. Die Orthodoxie habe er in seiner Kindheit daher auch nie als problematisch empfunden – weil der Zweifel immer mit darin angelegt gewesen sei.
Zum „Zweifel“ gesellen sich in der jüdischen Familie oft die „Bildung“, sowie der Wille das Leben immer wieder neu anzupacken. Schon aus der Zeit kurz nach dem Krieg und der Shoa hat Martin Engelberg glückliche und ausgelassene Feste der Wiener Gemeinde als frühe Erinnnerung. Danielle Spera verweist aus ihrer Perspektive als Direktorin des Jüdischen Museums auf die zahlreichen Ehen, die bereits in den Lagern für Displaced Persons durch Menschen geschlossen wurden, die ihre Liebsten erst in den Jahren zuvor durch die Morde des Nationalsozialismus verloren hatten.  Im Judentum – davon sind Spera und Engelberg überzeugt – wird der Mensch erst durch den Partner vervollständigt.

Der Sonntag bringt dann 20 Grad und Sonnenschein auf die vorgestern noch verschneiten Hänge. Beste Gelegenheit für eine Almwanderung. Das gute Leben und der mächtige Schellhornsche Jausenrucksack lassen sich auch von geschlossenen Almen nicht aufhalten. Wir gipfeln in einem Picknick zwischen frischen Frühjahrswiesen.

Am Sonntagabend, stellt das Gespräch mit dem Genetiker Markus Hengstschläger einen maximalen Kontrast zu den vorhergehenden Diskussionen über Religion und Familie her. Nach Hengstschlägers Vortrag ist schwer zu sagen, ob man öfter gelacht oder gestaunt hat (die meiste Zeit war es wohl beides gleichzeitig). Die aufwühlenden Einsichten in den aktuellen Stand der Genetik im Detail wieder zu geben, würde hier den Rahmen sprengen. Hengstschläger meint jedenfalls: Die Menschheit sei jetzt an dem Punkt, zu entscheiden, ob sie sich selbst genetisch verändern wolle, oder nicht. Durch somatische Gentherapie könne er bei bestimmten Krankheiten schon heute mutierte Gene durch gesunde austauschen – man müsse sich aber bewusst darüber sein, dass er damit Menschen quasi „genmanipuliere“ (Anm.: dieses verkürzte Vokabular der „Gen-Gegner“ hat der dabei natürlich nicht benutzt). Um das Gespräch über die Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft mit einem seiner humorvollen Zitate zusammen zu fassen: „Übergewicht kann man beispielsweise super therapieren, aber es ist dann kein guten Leben mehr.“

Die Schlussrunde am Montagmittag, geben Andrä und Tina Rupprechter. Was die Politik für das gute Leben bedeutet, wollen wir mit Rücksicht auf das aktive Ministeramt und die Privatsphäre nicht zu detailliert beleuchten. Aber es dreht sich natürlich viel um die Fragen des Zurücksteckens für die Familie, um Lebensentscheidungen, die auch für die Liebsten weitreichende Konsequenzen haben und zu guter Letzt auch ganz realpolitisch um die Frage, wie zwei Partner intensives Berufsleben und Familie in Österreich heute unter einen Hut bringen können. Die Antwort lautet: Im Vergleich zu Brüssel ist das schon aufgrund der Betreuungsangebote hierzulande schwer.

 Das GUTE LEBEN 2018 wird aufgrund günstiger Feiertagslage einen Tag länger dauern und zwar von 27. April bis 1. Mai.

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