Literaturwochenende_Puls-Beglau

Literaturwochenende Wiebke Puls und Bibiana Beglau

Lake Side Laze, Literatur 24. Februar 2017

Eigentlich waren unsere Literaturwochenenden immer bewusst minimalistisch angelegt. Die Zutaten: 1 Autor, 1-3 Flasche Wasser (oder Wein, das konnte man manchmal nicht so genau erkennen), 1/2 Kerzenlicht und die ungeteilte Aufmerksamkeit von 30-40 Hausgästen. Nun haben wir aber schon seit einigen Jahren immer wieder Stipendiaten im Haus, was unweigerlich dazu führt, dass unser Literaturwochenende manchmal ein bisschen aus den Fugen gerät. Und so kam es, dass wir am letzten Wochenende mit Wiebke Puls, Bibiana Beglau, Vea Kaiser und Thomas Oláh im Grunde versehentlich ein kleines Literatur-Festival im Haus hatten. Aber keine Sorge, am 18. März kehrt mit Thomas Maurer und dem  ‚Tolerator‘ das gewohnte Rezept zurück: 1 Abend, 1 Mann, 1 Text.

Zurück zu unserem ersten Literaturwochenende 2017. Das konnten wir am Freitag nutzen, um den Mythos „Seehof-Stipendiat“ ein bisschen näher zu beleuchten. Abgesehen von der Bibliothek, der Kunst und den Lesungen, haben wir ja seit einigen Jahren schon regelmäßig Stipendiaten im Haus. Mal sind es ganz junge Autoren, die an ihren ersten Arbeiten sitzen, mal ebenfalls noch junge, aber bereits arrivierte Schriftsteller wie Valerie Fritsch oder Thomas Glavinic.  Zur Zeit lebt und arbeitet Thomas Oláh im Seehof. Der Kostümdesigner hat es in den letzten Jahre erfolgreich geschafft, sich um das Schreiben zu drücken (seine internationalen Erfolge im Kostümdesign mögen dazu beigetragen haben). Jetzt hat er seinen Widerstand aufgegeben und arbeitet bei uns an einem Text über Johann Joachim Winkelmann. Winkelmann war im 18. Jahrhundert einer der Begründer der modernen Archäologie und Zeitgeschichte und prägte das Bild von der „edlen Einfalt und stillen Größe“ der Griechen. Er kam 1768 in Triest unter nicht genau geklärten Umständen zu Tode. Ob ein Liebesverhältnis der Grund dafür war, Erpressung, oder doch der Vatikan, darüber spannt Thomas Oláh kurzweilige Episoden auf, aus der Sicht verschiedener Akteure, die Winkelmanns Wege in seinen letzten Tagen kreuzten.
Am Freitag las Thomas – nachdem unser Nachwuchsmops Taxi über Wochen der einzige Zuhörer war – einige Passagen aus seiner gerade entstehenden Arbeit. Zusammen mit Vea Kaiser – ebenfalls einer ehemaligen Stipendiatin – gab uns Thomas Oláh in der Stube Einblicke in das Seehof-Stipendiaten-Dasein.

Am Samstagabend las Bibiana Beglau aus Zelda Fitzgerald „Himbeeren mit Sahne im Ritz“. Man kann sich wohl niemanden vorstellen, der die ausschweifenden Episoden aus den 20er-Jahren treffender verkörpern könnte. Nach dem Abend-Menu folgten dann noch einige kurze Erzählungen aus ‚Das Lieblingsspiel‘ von Leonard Cohen, gelesen von Wiebke Puls. Und fast noch wichtiger: einige Cohen Songs, von Wiebke ins Deutsche übersetzt, an der Gitarre begleitet von Ivica Vukelic.
Wir könnten auf inhaltliche Details dieser Lesungen eingehen, es würde den Auftritten aber sicher nicht gerecht werden. Daher sparen wir uns das und geben stattdessen nur einen kleinen Eindruck anhand von ein paar Fotos und verweisen ansonsten auf die Texte:
„Wie ein Vogel auf dem Draht, wie ein Säufer, der singt in der Nacht, habe ich versucht frei zu sein, auf meine Art…“

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