Das GUTE LEBEN 2018

Lake Side Laze 5. Mai 2018

Auch das GUTE LEBEN braucht Regeln – zum Beispiel die Chatham House Rule, oder zumindest eine sanfte Seehof-Variante davon. Der Flüchtlingskoordinator und ehemalige Raiffeisen Chef Christian Konrad gilt für viele, so auch für Michael Fleischhacker, als eine Art ehemaliger „Schattenkaiser“ Österreichs. Und bei weiten nicht alles, was Konrad im Seehof zu berichten hatte, sollte den Weg ins ewige digitale Gedächtniss des Internets finden.

Hier nur so viel: Das GUTE LEBEN bedeutet für Konrad immer schon auch soziales Engagement und es war schön zu hören, wie man über Jahre ohne Kameras und Pressetermine Gutes tun kann, indem man immer wieder Ressourcen aus einem ganzen (Raiffeisen-)Land unbürokratisch dorthin umleitet, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Aber natürlich muss diese Macht „einfach zu helfen“ auch erstmal konzentriert werden. Und da wären wir wieder dann wieder bei der „Seehof House Rule“.

Offener lässt sich über die Erfahrungen des Krisenreporters Wolfgang Bauer von der Wochenzeitung DIE ZEIT berichten. Schließlich sind seine Reise dazu gedacht, publiziert zu werden. Das Leben möglichst bewusst zu leben und sich möglichst wenig selbst zu belügen, dazu gehört für Bauer, sich immer wieder bewusst zu machen in welchem Cocon man lebt. Wie sich das eigene Leben nach außen hin abgrenzt, wird für ihn in Krisengebieten deutlich. Dass beispielsweise derzeit an der syrisch-türkischen Grenzen de facto ein Schießbefehl herrscht, der die EU abschirmt, oder in welchem Elend die Menschen im Südsudan leben, ohne dabei eine genaue Vorstellung davon zu haben, wie die Welt in Europa aussieht, sind Geschichten, die er erzählt. Dabei ist es ihm besonders wichtig, diese Geschichten üerhaupt erstmal zu erleben und einen Zugang zu Biographien zu finden, die so anders sind als seine eigene.

Mit Michael Köhlmeier und Hubert Scheibl schloss sich der Kreis beim diesjährigen GUTEN LEBEN auf dem Feld der Literatur und Kunst. Das Besondere, bzw. das Besondere im Gewöhnlichen, ist es, was Köhlmeier sich als die perfekte Literatur vorstellt. Wie wäre es zum Beispiel, wenn man beschreiben könnte, wie der Anblick einer Coladose, als letztes Bild vor dem eigenen Tod, das gesamte Leben überlagert? Oder wenn diese Dose das erste Bild wäre, dass man erblickt – sozusagen das absolut Triviale als Verpsrechen für die gesamte Fülle des Lebens? Köhlmeier ist immer auf der Suche nach neuen Perspektiven, Quellen und Stilformen für sein Schreiben. Und die müssen nicht immer aus den Höhen der altgriechischen Tragödie stammen. Gleichzeitig brach Köhlmeier nicht nur eine Lanze für die Schönheit des Trivialen, sondern auch für den Genuss. Und er meinte damit nicht nur die Sinnesfreuden, sondern auch den Genuss zu schreiben. „Glauben Sie Schriftstellern nicht, die behaupten sich zu quälen und sich jeden Satz mit dem Meissel von der Seele zu schlagen.“ Köhlmeier schreibt nämlich gern und ist auch überzeugt, dass es die meisten seiner Kollegen gerne tun. Nur „kommt das einfach nicht so gut an“. Man müsse sich in der Kunst einfach qäulen, oder zumindest den Eindruck vermitteln, damit das Werk „etwas wert“ sei.

Den Begriff der „Schönheit“ wollte sich dagegen Hubert Scheibl partout nicht von Michael Fleischhaker umhängen lassen. Was für ihn eine relevante Arbeit sei, habe nichts mit Schönheit zu tun. Und auch sonst klang es so, als sei das künstlerische Schaffen für Scheibl weit anstrengender als für Köhlmeier. Zum Ausgleich brauche er „Paralleluniversen“ – eine oder mehrere weitere „gute Welten“ neben der Profession (die ja bei ihm das Malen ist). Für Scheibl ist das die Musik.
Paralleluniversen gegen den Wahnsinn. Auf diese Gemeinsamkeit könnte man die diesjährigen Gespräche vielleicht bringen. Bei Konrad das soziale Engagement, dass er dem Beruf als Führungsfigur der Finanzwelt entgegen stellte, bei Bauer die Leben der Menschen rund um die Welt, bei Köhlmeier die ständige Suche nach immer neuen Gattungen und Stoffen und bei Scheibel die künstlerischen Ausgleichsfelder zur Malerei.