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Vea Kaiser: Herausforderung Eier

Essen & Trinken, Literatur 10. März 2015

Mein Jahr begann nicht gut. Die geplante riesige Silvesterparty fiel im letzten Augenblick ins Wasser, dafür beschloss der Verlag kurzfristig, dass ich viel weniger Zeit für die finale Überarbeitung meines neuen Romans bekommen soll als ursprünglich versprochen, und dann brach ich mir den kleinen Zechen, ehe ich mir wenige Tage später den halben Zeigefinger beim Zwiebelschneiden wegschnipselte und mir zur Krönung des Ganzen auch noch die Bandscheiben verletzte. Ja, keine dieser Verletzungen ist wirklich schwer, aber wenn sich die Wehwehchen so taktisch geschickt über den ganzen Körper verteilt haben, fühlt man sich trotzdem wie ein Rennpferd, das beim Pferdefleischer auf den Gnadenschuss wartet.

Aber wie sagte der altgriechische Geschichtsschreiber Herodot: Im Leben geht es bergab und irgendwann wieder bergauf. Herodot hatte natürlich schönere Worte: πᾶν ἐστι ἄνθρωπος συμφορή.

Und weil die Griechen immer Recht hatten, erbarmte sich auch irgendeiner der Götter meiner geschundenen Schriftstellerseele und rührte mit seinem olympischen Willen die Herzen von Susi und Sepp. Die luden mich daraufhin nach Goldegg und bieten mir nun für zwei Monate in herrlichem Ambiente und bei köstlichster Speisung die nötige Ruhe und Konzentration, um aus dem Manuskript noch das Allerbeste rauszuholen. Jeder Schreibende arbeitet anders; es soll solche geben, bei denen von Anfang an jeder Satz sitzt. Und dann gibt es den Typus Schuldig-an-der-Abholzung-des Regenwaldes, der kiloweise Versionen produziert, den Text unzählige Male umschreibt und am Ende mit einem Lückentext dasitzt, den es zu feilen, zu polieren und zu glätten gilt, bis eine kleine Perle rauskommt. Hoffentlich.

Die Umgebung, um in voller Konzentration dem Text auf den Zahn zu fühlen, ist einstweilen perfekt: eine wunderbare Schreibstube, viel Ruhe, kein Internet, dieser magische Kraftplatz am See, bei dem andere Kulturen sicherlich vermuten würden, dass es dort eine Art Spalt in die Götterwelt gibt, aus dem die Dämpfe der Inspiration entweichen.

Die einzigen zwei Hindernisse, die ich einstweilen diagnostizieren konnte, sind eine extrem notgeile Katze, die natürlich genau vor meinem Fenster nach dem Kater der Erlösung schreit, und der Frühstückskoch. Letzterer nämlich zaubert jeden Tag ein Spezialei. Warum das ein Problem ist? Nun, stellen Sie sich vor, Sie sind mit der Aufgabe konfrontiert, Wortwiederholungen zu vermeiden. In Ihren Text das Maximum an kreativen Metaphern, Beschreibungen und originellen Beobachtungen einzuweben. Und dann sind Sie jeden Morgen mit einem Menschen konfrontiert, der aus etwas so Simplem und Watscheneinfachen wie einem Ei ein täglich neues Wunderwerk produziert: Kräuterei auf Rucola-Pesto, pochiertes Ei mit Speck, Eggs-Benedict mit frischem Babyspinat, Brennnessel-Ei…

Aber, lieber Frühstückskoch, ich habe die Herausforderung angenommen! Schauen wir mal, wem früher die Ideen ausgehen: dir mit deinen Eiern oder mir mit meinem Text. Mögen die Spiele beginnen.

(Und Katze: dich mach ich fertig. Draußen liegt Schnee, weich und gut zu Bällen formbar. Und ich war immer schon eine treffsichere Schützin…)

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