Literaturwochenende Galic, Harzer, Loibl

Lake Side Laze, Literatur 8. März 2018

Nur vier Monate dauerte der Briefwechsel zwischen Boris Pasternak, Rainer Maria Rilke, Marina Zwetajewa. Er endete mit dem Tod von Rilke 1926. Die Korrespondenz der drei Autoren bewegt sich rund um die Verehrung der beiden Russen für Rilke, aber auch um gegenseitige Liebe, die nur aus der Arbeit der anderen entspringt und dem Versuch Beziehungen ganz im künstlerischen Schaffen aufgehen zu lassen. Zwischen Pasternak und Zwetajewa kommen noch einige Szenen der Eifersüchtelei dazu, immer dann, wenn sich einer aus dem „ménage à trois“ -Briefwechsel ausgeschlossen fühlt. Das kommt leicht vor, denn zwischen Russland, der Schweiz und Frankreich hatte auch die Zensur bei Briefwechseln immer ein Wort mitzureden. Es sind bewegende Text, aus einer aufgewühlten Zeit, die gleichermaßen Einblick in das Fühlen des späten Rilke geben, wie auch in die Schwere der Russischen Diaspora nach den Revolutionsjahren.

Der Briefwechsel war die letzen Jahre vergriffen und nur noch im Antiquariat oder auf Versteigerungen zu ergattern. Marina Galic und Jens Harzer ersteigerten ein Exemplar, nachdem sie in der Biografie von Marina Abramovich auf die Erwähnung der Texte stießen. Die Lesung im Seehof mit Marina Galic, Jens Harzer und Thomas Loibl fühlte sich daher auch ein wenig an, als ob man Zeuge des Hebens eines versunkenen Schatzes wird. Vermutlich konnte man in den vergangenen Jahrzehnten nirgends sonst so tiefen Einblick in diese besonderen Texte bekommen. Wir ließen uns daher auch besonders viel Zeit, um etwas tiefer, als nur in Ausschnitten in die Texte einzutauchen. So wurden am Freitag und Samstag immerhin jeweils 1,5 Stunden gelesen.

Wie es der Zufall so will, wird der Briefwechsel im April 2018 bei Suhrkamp/Insel neu aufgelegt und dann selbstverständlich auch im Seehof zu bekommen sein.
Unser nächster Kulturtermin sind die philosophischen Gespräche mit Michael Fleischhacker. Das GUTE LEBEN findet vom 27.April bis 1.Mai statt.