Hotel des Jahres

27 Zimmer, Lake Side Laze 3. November 2016

Köchen sagt man ja einen gewissen Wahnsinn nach. Eine Mischung aus Größenwahn und existenzieller Verunsicherung, tritt vor allem bei den Nachwuchskräften unserer Zunft häufiger auf. Und so war ich vor Jahren noch überzeugt, zu einem der besten Köche zu gehören. Schlimmer noch, ich war der Meinung, die Tester mit ihren Sternen und Hauben verstünden einfach nicht, was die Küche und das Kochen der Zukunft seien. Mit den Jahren legt man seinen Größenwahn ab, versucht gute Arbeit zu machen und sich damit zu identifizieren.
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Verstörungen 2016 „Thomas Bernhard : Ingeborg Bachmann“

Literatur 29. September 2016

„Aber man muss ja schon bedenken, dass Literatur sonst nicht diesen Stellenwert hat“

Am Samstagabend beginnt die kleine Literatur-Gesellschaft im Seehof sich langsam auf den Abschied in den Alltag vorzubereiten. Seit drei Tagen drehen sich die Gespräche jetzt schon um Ingeborg Bachmann und Thomas Bernhard, darum wie mit jeder Lesung die Messlatte höher gelegt worden, wie Jens Harzer mit der Bernhard-Dampfwalze über die Zuhörer gerollt sei, wie präzise Max Simonischek sein Timing gesetzt und wie man beim Zuhören Wiebke Puls oder Charlotte Schwab für Ingeborg Bachmann gehalten habe. Zwischen Schloss Goldegg und Seehof hätte man es fast vergessen können: Verstörungen ist nicht der diskursive Normalfall. Damit der Abschied am Sonntag also nicht zu hart wird, gilt es sich schon am Samstag darauf einzustellen: Nein, Literatur hat normalerweise nicht diese Stellenwert und ja, spätestens am Rückreisetag wird die Verkehrslage wieder wichtiger sein als die Frage, welche Art von gesellschaftlichem Veränderungswillen man dem Autor als solchem eigentlich unterstellen darf, soll, muss oder zumindest kann.

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Das GUTE LEBEN 2016

Lake Side Laze, Literatur 7. Mai 2016

Die Sommersaison im Seehof eröffnen wir indem wir das Gute leben, also das gute Leben leben. Am Ende des Tages ging es dabei dieses Jahr natürlich nicht um Groß- und Kleinschreibung. Und über große Literatur entscheiden ohnehin andere Dinge. Sich mit den eigenene Dämonen zu beschäftigen sei beispielsweise wichtig, fand Vea Kaiser, als sie am Donnerstag vergangener Woche unsere philosophischen Tage eröffnete. Beim schreiben ihres neuen Buchs „Makarionissi“ hat sich Vea also ihren Dämonen gestellt. Für uns las sie immer wieder Textstellen, deren Genese wir dann im Gespräch nachvollziehen konnten. Wie kommt man zu einem Text, wie findet man seine literarische Sprache und wo trifft sich beides mit einem guten Leben? Die Antworten liegen für Vea oft in den Orten, die sie prägten, ob es nun die Kindheit in Niederösterreich, das Sprachstudium in Hildesheim, oder auch der Abstand von allem, an Orten wie dem Seehof oder ihrer Lieblingsinsel in Griechenland, ist (die Lieblingsinsel heißt übrigens nicht „Makarionissi“, war aber trotdem die Inspiration für den Buchtitel).

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Allende, Lhotzky, von Kessel und Paula

Lake Side Laze, Literatur 24. Februar 2016

Unser Wochenende mit Paula war vor allem intensiv. Schon zur Probe am Nachmittag floßen Tränen – so viel der Intimität dürfen wir vielleicht verraten. Am Abend konnte man im vollen Seehof-Salon die Stecknadel, bzw. den Stoffvorhang der Leica fallen hören, weshalb wir während der Lesung weniger Bilder gemacht haben, als sie verdient gehabt hätte.

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Thomas Maurer: Texte ab Hof

Lake Side Laze, Literatur 26. Januar 2016

2016 haben wir die Literaturwochenenden im Seehof begonnen wie sie 2015 endeten, mit Thomas Maurer (zuzüglich einer Menge Schnee). Thomas las dieses Mal Auszüge aus Alltags- und Kurzgeschichten, Drehbüchern und satirischen Glossen. Damit wir vor unserer Lesung noch Ilija Trojanow zuhören konnten (am selben Tag für ORFIII im Gespräch über das Gehen mit Michael Kerbler im Schloss Goldegg), hat sich Thomas kurzfristig entschieden zwischen den Gängen, statt vor dem Essen, zu lesen:
Zum Fleisch einen Bericht über seine Erfahrungen mit dem Schlachten. Zum Fisch eine für das Red Bulletin geschriebene (aber nie publizierte) Kurzgeschichte darüber, wie eine auf der Rennstrecke liegende Dose Flügel verleiht (über den Motorradlenker). Zum Desert gab es eine Maurer-Folge BÖsterreich.
Die Gänge wurden dadurch auf jeden Fall noch plastischer. Die nächtlichen politischen Gesprächen an der Seehofbar endeten untentschieden (ob der Kapitalismus besiegt werden soll, kann, muss oder sich selbst schon hat, das werden wir beim nächsten Besuch tiefergehend ergründen). Weiterlesen

Sophie von Kessel liest „Paula“ von Isabel Allende

Literatur 25. Januar 2016

Am 20. Februar 2016 liest Sophie von Kessel „Paula“ von Isabel Allende. Am Klavier begleitet sie dabei Isabel Lhotzky. Das Menu im Restaurant r 120 wird auf den lateinamerikanischen Stoff abgestimmt. Den Flügel ins Restaurant zu bekommen wird noch ein Spaß für die ganze Familie (Schellhorn ;).

Isabel Allende schreibt in ihrem wohl persönlichsten Roman „Paula“ gegen das Vergessen an. Sie möchte ihrer Tochter Paula Erinnerungen schenken, nach dem langen Schlaf, aus dem sie ihre Tochter mit ihren Briefen erwecken will. Paula Frias erkrankt im Dezember 1991 an der erbbedingten Stoffwechselerkrankung Porphyrie. Kurz darauf fällt sie ins Koma. Mutter Isabel pflegt ihre Tochter im Krankenhaus in Madrid und danach im Haus der Allendes in Kalifornien.

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Thomas Maurer: Prokrastination, Schreiben, Seehof

Literatur 14. September 2015

Ich schreibe, um ein schlecht gehütetes Geheimnis zu lüften, nicht gern.

Ich bin zwar – niemand, der sich auf eine Bühne stellt und dort Selbsterdachtes ausposaunt, kann das glaubwürdig abstreiten – durchaus eitel, aber während des Schreibprozesses selbst stellt sich die Freude an den eigenen Geistesfrüchten kaum einmal ein.

Ich habe gerne etwas geschrieben, das dann fixfertig hinter mir liegt und wonach ich mich ab und zu mit selbstgefälliger Zufriedenheit noch einmal umdrehen kann, aber das Schreiben selbst ist eigentlich immer ein Tschoch.

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Thomas Glavinic über das Schreiben im Seehof

Literatur 27. März 2015

Über das Schreiben in Hotels

„Im Seehof bin ich mehr daheim, als daheim!“, sagt der österreichische Schriftsteller Thomas Glavinic über seine Schreibaufenthalte im Salzburger Pongau. Seit seinem ersten Besuch im August 2007 ist der Autor von Arbeiten wie „Das bin doch ich“ und „Wie man leben soll“ uns  im Seehof ans Herz gewachsen.

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Vea Kaiser: Herausforderung Eier

Essen & Trinken, Literatur 10. März 2015

Mein Jahr begann nicht gut. Die geplante riesige Silvesterparty fiel im letzten Augenblick ins Wasser, dafür beschloss der Verlag kurzfristig, dass ich viel weniger Zeit für die finale Überarbeitung meines neuen Romans bekommen soll als ursprünglich versprochen, und dann brach ich mir den kleinen Zechen, ehe ich mir wenige Tage später den halben Zeigefinger beim Zwiebelschneiden wegschnipselte und mir zur Krönung des Ganzen auch noch die Bandscheiben verletzte. Ja, keine dieser Verletzungen ist wirklich schwer, aber wenn sich die Wehwehchen so taktisch geschickt über den ganzen Körper verteilt haben, fühlt man sich trotzdem wie ein Rennpferd, das beim Pferdefleischer auf den Gnadenschuss wartet.

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